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Liebe Gern-über-den-Tellerrand-kiecker!

Wenn euch das, was Ihr auf den Seiten meiner HP gesehen und gehört habt, auf "die fabelhafte Welt des Tino Eisbrenner" neugierig machen konnte, so ist es Zeit für einen kleinen Streifzug dorthin, wo die Wiege all dessen steht oder irgendwann einmal stand.

Mindestens einmal im Monat möchte ich euch auf einen musikalischen oder literarischen Act von einst oder heutzutage aufmerksam machen. Natürlich werde ich dabei ausschließlich nach Lust und Laune auswählen. Immer aber werden es Künstler oder ihre Produkte sein, die mich geprägt und geformt haben und ohne die ich nicht leben kann. Große Bewunderung meinen Eltern, die (ohne selbst Künstler zu sein) in mir den, in viele Richtungen neugierig suchenden, Kunstliebhaber weckten, der schon als Kind außer Pop gern internationale Folklore, Jazz und Klassik hörte, der von Jack London bis Maxim Gorki Bücher fraß. Seit ich selbst Kinder habe weiß ich, wie schwer dies zu erreichen ist.


STREIFZUG - THE POLICE - ein comeback

Dies ist mal wieder ein Anlass, mich zu einem Streifzug hinreißen zu lassen und da mich sowieso seit letzten Dienstag alle fragen, "wie denn das Konzert war?", schreib ich's einfach auf. Wer sich in meiner Biographie wenig auskennt, dem sei kurz erzählt, dass THE POLICE 1980 die entscheidende Macht war, die mich völlig vom Weg abbrachte und einen Sänger aus mir machte. Zwar war ich aus irgendwelchen GRünden der Neugier gerade Sänger der Band JESSICA geworden aber ich hatte keine Ahnung, was daraus werden würde. Dann kam diese großartige Band über die Mauer geweht. Mit "Walking on the Moon", "Message in a bottle", "Roxanne".... JESSICA wurde "die Band, die original POLICE spielt" und so kam ich vom Wege ab und fahre nun schon im 26. Jahr über die Lande. Das Drama war, dass wir JUngs, die wir, neben den ersten eigenen Songs, POLICE "kupferten", unsere Idole nie live sehen konnten, weil wir keine Reisepässe hatten, um in den Westen zu fahren und weil THE POLICE sich 1984 auflösten. Eine Band, die zehn Jahre Musikgeschichte diktiert hatte, die dem New Wave sozusagen vorstanden und der rasanteste Liveact seit den BEATLES darstellten, löste sich auf, ohne dass wir sie hätten live erleben dürfen. Nicht alles, was Sting danach erfand (wenn auch das Meiste) fand den Weg in mein Herz. Jedes seiner Konzertprogramme hab ich gesehen und oft wehmütig den Verlust seiner einstigen Kollegen beklagt. Stewart Copelands geniale Platten mußte man regelrecht aufspüren und Andy Summers, dessen unzählige Jazzalben meinen Plattenschrank füllen, sah ich ich einmal im Berliner "Quasimodo" spielen. Und nun geschah das Unglaubliche - nach 23 Jahren gehen POLICE wieder zusammen auf Welttournee. Mein Kreativpartner André (einst Gitarrist der ebenfalls längst getrennten Band JESSICA), meine jetzige Rhythmusgruppe  und ich waren also in Hamburg dabei. Ich hatte im Vorfeld gelesen, dass Sting darauf bestanden hatte, die alten Songs neu anzugehen. Was er damals in der Banddemokratie nicht durchsetzen konnte, fiel ihm jetzt leicht, denn er hatte den beiden anderen bewiesen, dass er auch ohne sie ein Weltstar sein konnte, hatte immer wieder Hits abgeliefert und mit gigantischen Musikern innovative Projekte aufgezogen. Immer aber waren die Besetzungen größer gewesen, dann man braucht einen Copeland und einen Summers, um nur im Trio zu spielen. Selbst U2 sind vier Mann. Na ja, was uns jedenfalls vom Hocker gehauen hat, war weniger die Tatsache, ein 23 Jahre verspätetes Konzert zu sehen, sondern war die Art, WIE sie spielten. Der Sound in der Arena war nicht ideal aber die Arangements unglaublich genial. Damals hatte POLICE wenig Balladeskes und Sting beklagte sich in Interviews, dass Copeland aus seinen schönen Liedern immer peitschenden New Wave machte. Jetzt waren die Songs oftmals so gestrickt, dass man den balladesken Ursprung der Lieder mal für eine Strophe oder einen Refrain durchblinken ließ, bevor wieder geheizt wurde. Manchmal neue Töne im Bassbereich, manchmal raffiniertere Akkorde von der Gitarre und Copeland haushaltete mehr mit seinem treibenden Beat, der dann umsomehr bejubelt wurde. Die Band spielte, als wäre sie voriges Jahr erst gegründet worden und all die Erfahrung, die Sting in den Jahren mit den Songs, mit seiner Musik und dem Bass gesammelt hat, paarte sich mit dem Überdruck der beiden Kollegen, die auf ihren Instrumenten ebensolche Meisterschaft und Reife erlangt haben, während sie ohne einander arbeiteten. Hoffen wir mal, dass sie sich auch zu einem neuen Album zusammenfinden werden. Interessant für mich war auch zu beobachten, wie sich die Gefühle der Liebsten an meiner Seite entwickelten. Sie ist zu jung, um je ein POLICEfan gewesen zu sein aber sie hört Sting sehr gern und kennt natürlich die HIts von THE POLICE aus dem Radio und von meinen Platten. Als die Band mit "Message in a bottle" loskloppte (der Sound war noch nicht optimiert) stellte sich Schreck auf ihrem Gesicht ein. Man las darin: "Oh Gott, soll das jetzt zwei Stunden so gehen?" Die Kleine begann sich obendrein einer Grippe zu nähern, fing aber nach ein paar Liedern das Wippen an. Nach einer Stunde hatte sie den Unterschied zwischen Sting solo und THE POLICE erfahren und tanzte neben ihrem Mann, der zwanzig Jahre "zu spät" das ganze Konzert (wie noch nie getan) aus voller Kehle mitsang... und dabei immer wieder seine eigenen alten Kollegen von JESSICA vermißte.... 



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